Terror in Burkina Faso: Anschlagsziel Sonntagsmesse

Der Überfall auf eine katholische Kirche in Burkina Faso am Sonntag nährt Sorge um den Erhalt der religiösen Toleranz im Land.

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Der Schock sitzt tief in Burkina Faso. Im Norden haben jetzt bereits zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen Terroristen eine Kirche angegriffen, dieses Mal in der Gemeinde Dablo in der Region Centre-Nord. Am Sonntag starben bei der Attacke zu Beginn der Messe sechs Menschen, unter ihnen ein Priester.

Es ist der erste Anschlag auf eine katholische Kirche im Land. Ende April hatten Bewaffnete bereits einen Anschlag auf die protestantische Kirche von ­Silgadij in der Region Sahel verübt, bei dem ebenfalls sechs Menschen getötet worden waren.

Der Anschlag in Dablo ereignete sich am Sonntag gegen 9 Uhr. Lokalen Medien zufolge wurde die Kirche von „20 bis 30 bewaffneten Männern“ überfallen. Als die Gläubigen versuchten zu fliehen, begannen die Angreifer zu schießen, so Ousmane Zongo, der Bürgermeister von Dablo.

Anschließend überfielen sie den Augenzeugen zufolge auch Geschäfte und eine Apotheke. Sie brannten Gebäude und mindestens ein Auto nieder. Danach flohen die Terroristen in mehreren Fahrzeugen. In der Stadt würde Panik herrschen und die Einwohner hätten Angst, ihre Häuser zu verlassen. Dablo sei zu einer Geisterstadt geworden, sagt Bürgermeister Zongo.

Regierung und Opposition in Burkina Faso haben den Anschlag verurteilt. Niederträchtig nannte ihn Präsident Roch Marc Christian Kaboré. Siméon Sawadogo, Minister für Territorialangelegenheiten, betonte, dass es in Burkina Faso bislang eine große Toleranz zwischen den verschiedenen Religionen gegeben habe.

Gut 60 Prozent der 19,7 Millionen Menschen bekennen sich zum Islam, während die übrigen christlichen Kirchen angehören oder Anhänger traditioneller afrikanischer Religion sind. Oppositionsführer Zéphirin Diabré, Präsident der Union für den Fortschritt, sagte laut Informationen des Senders Radio France Internationale (RFI), der Anschlag sei eine Taktik der Terroristen, um die Gesellschaft in Burkina Faso zu spalten. Deshalb müssten Toleranz und Solidarität wieder gestärkt werden.

In Burkina Faso haben Anschläge und Überfälle von islamistischen Terrorgruppen seit Anfang 2016 immer mehr ­zugenommen und sich vom an Mali angrenzenden Norden des Landes auf weitere Landesteile ausgebreitet. Über 400 Tote haben die Anschläge bislang gefordert.

Angriffe auf Christen hat es jedoch erst seit dem vergangenen Jahr gegeben, als ein Pastor und ein Katechist entführt wurden. Gezielte Anschläge auf Kirchen gelten als eine neue Strategie.

 

KATRIN GÄNSLER

taz.de

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